Möchten Sie Ihre Grundsteuer selbst nachrechnen? Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, wie die Berechnung funktioniert – egal welches Bundesland und welches Modell.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Grundsteuer wird nach der Formel Grundsteuerwert × Steuermesszahl × Hebesatz berechnet
- Jedes Bundesland nutzt ein eigenes Berechnungsmodell
- Die Berechnung erfolgt in 3 Schritten
- Unser kostenloser Rechner macht es automatisch für Sie
Die Grundformel verstehen
Die Grundsteuer wird seit der Reform 2025 nach einem 3-Stufen-Prinzip berechnet:
📊 Die 3 Berechnungsschritte
- Grundsteuerwert ermitteln – Je nach Bundesland unterschiedlich
- Steuermessbetrag berechnen – Grundsteuerwert × Steuermesszahl
- Grundsteuer berechnen – Steuermessbetrag × Hebesatz

Schritt 1: Grundsteuerwert ermitteln
Der Grundsteuerwert ist der steuerliche Wert Ihres Grundstücks bzw. Ihrer Immobilie. Wie er berechnet wird, hängt von Ihrem Bundesland ab:
Bundesmodell (11 Bundesländer)
Die meisten Bundesländer (BE, BB, HB, MV, NW, RP, SN, SL, ST, SH, TH) nutzen das wertabhängige Bundesmodell:
- Berücksichtigt Bodenwert, Gebäudewert und Mietniveau
- Komplexe Berechnung durch Finanzamt
- Grundsteuerwert steht in Ihrem Bescheid
Flächenmodell Bayern
Bayern nutzt ein wertunabhängiges Flächenmodell:
- Grundstücksfläche × 0,04 €/m² = Äquivalenzbetrag Boden
- Wohnfläche × 0,50 €/m² = Äquivalenzbetrag Gebäude
- Summe = Grundsteuerwert (vereinfacht)
Bodenwertmodell Baden-Württemberg
Baden-Württemberg berücksichtigt nur den Bodenwert:
- Grundstücksfläche × Bodenrichtwert = Grundsteuerwert
- Gebäude spielen keine Rolle!
Schritt 2: Steuermessbetrag berechnen
Der Steuermessbetrag wird aus dem Grundsteuerwert und der Steuermesszahl berechnet:
🔢 Formel
Steuermessbetrag = Grundsteuerwert × Steuermesszahl
Typische Steuermesszahlen:
- Wohngrundstücke (Bundesmodell): 0,31 ‰ (0,00031)
- Nichtwohngrundstücke: 0,34 ‰ bis 0,75 ‰
- Bayern Wohnen: 70% der Äquivalenzbeträge
- Baden-Württemberg Wohnen: 0,91 ‰
Schritt 3: Grundsteuer berechnen
Im letzten Schritt wird der Steuermessbetrag mit dem Hebesatz Ihrer Gemeinde multipliziert:
🔢 Formel
Grundsteuer = Steuermessbetrag × (Hebesatz / 100)
Der Hebesatz wird von jeder Gemeinde selbst festgelegt und variiert stark:
- Niedrig: 200-400% (ländliche Gebiete)
- Mittel: 400-600% (Kleinstädte)
- Hoch: 600-900% (Großstädte)
Vollständiges Beispiel: München (Bayern)
🏠 Beispiel-Immobilie
- Einfamilienhaus in München
- Grundstück: 600 m²
- Wohnfläche: 160 m²
- Hebesatz München: 535%
Schritt 1: Äquivalenzbeträge (Bayern-spezifisch)
- Boden: 600 m² × 0,04 €/m² × 100% = 24,00 €
- Gebäude: 160 m² × 0,50 €/m² × 70% = 56,00 €
- Steuermessbetrag: 24 € + 56 € = 80,00 €
Schritt 2: Grundsteuer berechnen
- Grundsteuer: 80 € × 5,35 = 428 € pro Jahr
- Pro Monat: 428 € / 12 = 35,67 €
Vollständiges Beispiel: Stuttgart (Baden-Württemberg)
🏠 Beispiel-Immobilie
- Einfamilienhaus in Stuttgart
- Grundstück: 400 m²
- Bodenrichtwert: 600 €/m²
- Hebesatz Stuttgart: 690%
Berechnung Bodenwertmodell:
- Grundsteuerwert: 400 m² × 600 €/m² = 240.000 €
- Steuermessbetrag: 240.000 € × 0,00091 = 218,40 €
- Grundsteuer: 218,40 € × 6,9 = 1.506,96 € pro Jahr
- Pro Monat: 1.506,96 € / 12 = 125,58 €
Unterschiede nach Bundesland im Vergleich
Für das gleiche Grundstück (500 m², 120 m² Wohnfläche, Bodenrichtwert 400 €/m²) ergeben sich je nach Bundesland völlig unterschiedliche Grundsteuern:
💡 Vergleichsbeispiel
- Bayern (Flächenmodell): ~280 € pro Jahr
- BW (Bodenwertmodell): ~650 € pro Jahr
- Berlin (Bundesmodell): ~520 € pro Jahr
- Hamburg (Wohnlagemodell): ~190 € pro Jahr
Das zeigt: Das Bundesland macht den Unterschied!
Tipps für die Berechnung
1. Bescheid prüfen
Wenn Sie Ihren Grundsteuerwertbescheid haben, müssen Sie nicht alles selbst rechnen. Der Grundsteuerwert steht im Bescheid. Berechnen Sie nur noch:
Grundsteuer = Grundsteuerwert × Steuermesszahl × (Hebesatz / 100)
2. Hebesatz finden
Den Hebesatz Ihrer Gemeinde finden Sie auf unserer Hebesatz-Seite. Einfach PLZ oder Gemeindename eingeben!
3. Bodenrichtwert ermitteln
Für Bundesländer die den Bodenrichtwert brauchen (BW, Bundesmodell, HE, NI): Kostenlos auf BORIS.de nachschlagen.
Noch einfacher: Unser Rechner
Nutzen Sie unseren kostenlosen Grundsteuer-Rechner. Er wählt automatisch das richtige Modell für Ihr Bundesland und führt Sie Schritt für Schritt durch die Berechnung!
- ✓ Alle 16 Bundesländer
- ✓ Automatischer Hebesatz-Lookup
- ✓ Transparente Berechnungsschritte
- ✓ PDF-Export möglich
Häufige Fehler vermeiden
Fehler 1: Falscher Stichtag beim Bodenrichtwert
Für die Grundsteuer gilt der Bodenrichtwert zum 1. Januar 2022 – nicht der aktuelle! Auch wenn die Preise seitdem gestiegen sind.
Fehler 2: Steuermesszahl verwechseln
Achten Sie auf die Einheit: Die Steuermesszahl wird in Promille (‰) angegeben, nicht Prozent! 0,31 ‰ = 0,00031 (als Dezimalzahl).
Fehler 3: Hebesatz falsch anwenden
Der Hebesatz wird in Prozent angegeben, muss aber durch 100 geteilt werden: Bei Hebesatz 450% rechnen Sie × 4,5 (nicht × 450!).
Kostenlose Tools zur Hilfe
- Grundsteuer-Rechner – Berechnen Sie Ihre Grundsteuer in 2 Minuten
- Hebesatz-Datenbank – 10.754 Gemeinden durchsuchbar
- Bundesländer-Vergleich – Alle Modelle erklärt
- BORIS – Bodenrichtwerte finden
Gut zu wissen
Diese Information dient der allgemeinen Orientierung. Für Ihre individuelle Situation empfehlen wir die Beratung durch einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.